
BJÖRN DAHLEM: THE MAGIC MOUNTAIN
Anmerkungen zur kommenden Ausstellung „The Magic Mountain“ von Björn Dahlem im Kunstraum Innsbruck:
Der Künstler verwandelt sich in einen Wissenschaftler, das Atelier mutiert zum Labor, das Werk wird zum Modell, der Kurator stellt den Beobachter dritter Ordnung, der Ausstellungsraum wird zur Wissensanstalt und die Besucher sind die Auszubildenden. Dahlems Kunst rekombiniert das „Wissen der Welt“ mit dem Anspruch einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung und zur selben Zeit haftet dem Werk ein formal dekonstruierter wie konterkarikierter Nimbus der Pseudowissenschaft an.
Dahlems Werke stellen konstruierte, bildhafte Gebilde seiner Denkprozesse dar, deren Strahlkraft man sich kaum entziehen kann. Er erschafft eine Wunderkammer und der Einsatz von Billigmaterialien für seine „Anschauungsobjekte“ unterstreicht mit einer Portion Ironie den Schein der Wissenschaft. Der Künstler fungiert als Schamane und seine Kunst steht für das heilbringende Elixier seiner spirituellen Eingebung. Oder ist es nur ein Trugbild, eine Finte, weil wir durch die Aura, den Glanz des Scheins geblendet werden? Dahlems Spielwiese ist das Zwielicht zwischen Sein und Schein und Ironie und dies macht seine Arbeit überzeugend.
Für den Kunstraum Innsbruck kreiert Björn Dahlem eine raumgreifende Installation mit dem Titel „The Magic Mountain“. Der Künstler bemerkt dazu in einem E-Mail:
„Der Titel der Ausstellung wird ‚The Magic Mountain’ sein. Ein zentrales Stück der Ausstellung soll ein Berg aus Styropor sein. Ich stelle mir den Berg mit einer schönen, schwebenden, runden Aura vor. Begleitet werden soll er von ca. vier Vitrinen. Der Ausstellungstitel klingt an den Titel des Romans von Thomas Mann an, der eines meiner Lieblingsbücher ist. Direkte inhaltliche Bezüge gibt es aber nicht wirklich. Mir geht es eher um eine atmosphärische Verwandtschaft, ein Gefühl des Hermetischen und des Geheimnisses. Mir geht es um den Zauberberg als Ort des Entrückten und der Zeitlosigkeit. So stell ich mir die Ausstellung vor, sehr weiß, mit einer gewissen Schneeatmosphäre durch das Styropor und die vielen weißen Wände. In diesem Weiß dann punktuell aufleuchtend ein paar feine, filigrane Skulpturen (…)“
Stefan Bidner, Kurator
Projektraum: HELDEN VON HEUTE
Robert Gfader, Joe Hardesty, Moussa Kone, Robert Muntean, Katrin Plavcak, Alfons Pressnitz, Bianca Regl, Georg Ritter, Lila Rock, Iv Toshain
9.06. – 31.07.2010 Projektraum / Kunstraum Innsbruck
DI 08.06.2010, 19.00 Uhr: Eröffnung & Katalogpräsentation Helden von heute (Kerber Verlag Edition Young Art, 2010)
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Man stelle sich eine Stadt vor ohne Professionalisierungsdruck, ohne Modegefühl, ohne Sperrstunde, eine langsame Stadt, die ihren Um - und Aufbruch nun schon fast vor einer ganzen Generation erlebt hat.
Warum Berlin? Berlin ist arm, schmutzig und vor allem billig. Berlin ist gemütlich. Berlin ist immer noch im Wandel, zumindest insoweit als dass man sich die Fluktuation vormachen kann, wenn man sie aus Argumentationsgründen braucht. Grund genug für die sieben in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen und 6.991 weitere Gemeldete Berlin zumindest zeit- bzw. teilweise zu ihrem Wohnsitz zu machen. Und vielleicht auch wegen eines Mangels an Optionen: Wegen der Enge Wiens, der Abgelegenheit Sofias, der Unerschwinglichkeit Londons. Auf alle Fälle haben sich die hier vorgestellten Künstler für diese Stadt entschieden und sich dann hier kennen gelernt, wahrscheinlich in einer mit Kerzenlicht ausgeleuchteten Bar, in der die Tapete von der Wand blättert und in der sieben Flaschen Bier weniger kosten als ein Bleistift in Paris. Auch sonst haben unsere Helden einiges gemeinsam. Sie sind jung, schön und in Umständen aufgewachsen, an denen man sich schwer reiben kann, an den vorteilhaften Enden von Überflussgesellschaften und Informationszeitaltern, sie sind gewöhnt an Mobilität, Flexibilität, Konsum und Individualismus. Sie sind gebildet, ausgebildet und kritisch, und jeder von ihnen hat seine eigene Sprache entwickelt. Seien es verschwommene Introspektiven oder mit exaktem Messer entfernte Generalaufnahmen der archivierenden und organisierenden Gesellschaft, prosaische Schnappschüsse regenbogenfarbiger Nervenkrankheiten oder von Farbe und Gelatine tropfende Bilder der Konsumsünde. Seien es Unheimlichkeiten, die sich in in dunklen Wäldern schwebenden Diamanten, in brav von Straßenarbeitern abgesperrten schwarzen Löchern manifestieren oder gesichtlose Figuren, die zu einem scheinbar universell nachvollziehbaren Ritual tanzen. Dennoch hindert die Diversität der Arbeit die Künstler nicht an einem regen Diskurs, den sie pflegen, und der weitab von einer Idealkunst liegt, sondern vielmehr in der postmodernen Collage des «anything goes» wurzelt. Verhandelt wird um nichts Geringeres als die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Thematische Herangehensweisen enden immer im gemalten, gezeichneten, geschnittenen Bild, das für sich stehend, losgelöst vom eigentlichen Inhalt, auch gerne neu gelesen werden kann. Somit sind die Arbeiten keiner strengen Ideologie unterworfen. Sie schweben vielmehr frei im Raum, treffen sich an den ungewöhnlichsten Stellen, gehen kurzzeitige Verbindungen ein, um sich dann aber wieder voneinander zu entfernen und erneut ihre unbestimmte Reise anzutreten.
Bianca Regl, Robert Muntean
Ausstellungsdauer: 09.06.10 - 31.07.10
Öffnungszeiten:
Di-Fr 11 - 18 Uhr, Sa 11 - 17 Uhr, So/Mo geschlossen
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